Mini Geschichten


Hier stelle ich euch ab und zu Mini Geschichten vor, welche mir spontan einfallen und die ich gerne so mit euch teilen möchte.

Sie sind nicht korrigiert oder anderweitig überarbeitet, da ich sie am Handy geschrieben habe. Ihr kennt das ja mit der Autokorrektur 😉


Ein leises Winseln reißt mich aus meinem Schlaf.   "Nein, ich will noch nicht aufstehen.", murmle ich schlaftrunken.

Doch mein schwarzer Labrador, Lucky lässt mir keine Ruhe. Ich blicke verbissen zu meinem Wecker. Es ist erst vier Uhr in der Früh. Seit wann steht er denn so zeitig vor der Tür? Mit halb geschlossenen Lidern schlurfe ich die Treppen in meinem Haus hinunter, bis ich an der Haustür ankomme. Lucky begrüßt mich stürmisch und freut sich, gleich raus zu können. Irgendwie scheint heute seine innere Uhr nicht ganz rund zu laufen. Sein Kläffen ist ohrenbetäubend.


Zum Glück wohne ich sehr abgelegen, mit einem großen Garten. So kann ich den kleinen Racker auch mal nur im Garten toben lassen. Als ich die Tür nur einen Spalt öffne, umhüllt mich direkt die kalte Morgenluft. Mich schüttelt es kräftig. Kaffee. Ich brauche jetzt erst einmal einen Kaffee. Von meinem Küchenfenster beobachte ich mit einem Schmunzeln, wie mein Hund draußen spielt und von einer Seite des Grundstücks, zur anderen hetzt. Einzelne, kleine Regentropfen legen sich auf die Fensterscheibe.


"Toll. Ich glaube unser Ausflug in den Wald wird im wahrsten Sinne des Wortes, ins Wasser fallen."

Kaffeetrinkend mache ich mich schnell zu Recht. Nur noch in Ruhe frühstücken, dann kann unser kleiner Ausflug um halb acht beginnen. Mit dem Futternapf in der Hand öffne ich die Tür.

"Lucky! Lucky, komm rein!"

Ich mache mich schon bereit, nicht von dem Wirbelwind umgerissen zu werden, doch nichts. Erneut rufe ich aus voller Kehle. Kein Lucky ist zu sehen, auch nicht zu hören. Ich hoffe, dass er nicht wieder den Garten umgräbt. Seit wir hier vor etwa drei Wochen eingezogen sind, hat er diese Marotte. Ich schließe die Tür und versuche ihn am Küchenfenster zu erspähen. Nichts. In mir steigt ein seltsames Gefühl auf. Mein Magen zieht sich zusammen und mein Puls rast. Hektisch krame ich in den Schubladen.


"Ich hab doch hier irgendwo eine Taschenlampe eingeräumt. "

Nach einigen Minuten finde ich sie endlich. Ich werfe mir meine Regenjacke über und schlüpfe barfuß in die kalten Gummistiefel. Kaum, dass ich hinaus trete, setzt sich der feine Nieselregen auf mein Gesicht. Die Härchen auf meinen Armen stellen sich prompt zu einer ausgewachsenen Armee auf. Mit der Taschenlampe leuchte ich alle Ecken ab. Von Lucky gibt es jedoch keine Spur. Als ich auf den, vom Vorbesitzer gezogenen Maschendrahtzaun zu gehe, bemerke ich, dass sich dort ein größeres Loch befindet. Als ich mir die Stelle genauer ansehen möchte, vernehme ich ein freudiges Gebell. Das nasse, schwarze Etwas kommt in einem Affenzahn auf mich zugestürmt und schlüpft durch das Loch.


"Jag mir doch nicht solch einen Schrecken ein!", schimpfe ich mit Lucky.

Am Halsband haltend, nehme ich ihn mit zurück hinein Eifrig macht er sich über sein Futter her, während ich mir ein Brot schmiere. Plötzlich höre ich ein leises Klicken und mein Hund schlägt direkt an. Erschrocken halte ich in der Bewegung inne. Was war das? Ich lebe hier mit Lucky alleine. Keine direkten Nachbarn, keine weiteren Mitbewohner. Da nach einigen Minuten noch immer nichts weiter geschieht, versuche ich meinen Kläffer wieder zu beruhigen. 

"Lucky, aus. Da ist nichts. Das sind einfach alles nur unbekannte Geräusche. Komm, wir essen weiter und dann gehen wir spazieren."

Zwar frisst er nun wieder, doch lässt er nicht eine Sekunde die Tür aus den Augen.

So kenne ich ihn nicht und das macht mir Angst. Ich wäge für mich ab, wie ich mich verhalten soll. Soll ich nachsehen oder die Polizei informieren? Aber was soll ich denen sagen? Ich habe ein Klicken gehört und mein Hund bellt? Nein, ich werde gleich selbst einmal durch das Haus gehen. 


Vorsichtshalber nehme ich ein großes Messer aus der Schublade und umklammere den Griff so sehr, dass meine Fingerknöchelchen schon weiß werden. Systematisch gehe ich die untere Etage ab. Mittlerweile schlägt mir mein Herz bis zum Hals und ich höre das pulsierende Blut in den Ohren rauschen.

Unten ist alles ruhig und nirgendwo kann ich etwas Ungewöhnliches sehen oder jemanden finden. Mit schweren Füßen steige ich die Treppe empor. 


Meine zittrige Hand greift nach der Türklinke am ersten Zimmer. Ruckartig reiße ich sie auf, meine rechte Hand mit dem Messer erhoben und bereit mich zu verteidigen. Mein gesamter Körper ist angespannt. In dem Raum ist nichts zu entdecken. Mit jeder weiteren Tür steigt das Adrenalin in mir an. Als ich an der letzten Tür ankomme, habe ich das Gefühl, mein Herz würde gleich explodieren. Doch auch hier ist niemand. Erleichtert atme ich aus und meine Muskeln entspannen sich. Über mich und meine Angst lachend,  gehe ich wieder hinunter. 


"Du bist vielleicht ein Wachhund, Lucky. Versetzt dein Frauchen in Angst und Schrecken."

Da es mittlerweile fast halb acht und draußen hell geworden ist, packe ich mich in meine Regensachen und breche mit dem Hasenfuß zu unserem Spaziergang auf.

Die frische Luft tut unglaunlich gut und der Regen hat auch aufgehört. Zwischendurch kommen mir andere Leute entgegen, welche mich freundlich grüßen, aber dennoch seltsam ansehen. Nachdem mir das vier mal passiert ist, frage ich einen Jogger, welcher etwa in meinem Alter ist, nach dem Grund. 


"Entschuldigen Sie. Hier scheinen alle sehr freundlich zu sein, aber habe ich etwas verbrochen? Alle starren mich so komisch an. "

Abrupt bleibt er stehen und kratzt sich leicht an der Stirn.

"Ja, wie soll ich Ihnen das erklären? Die Leute hier im Dorf sind einfach nur verwundert", druckst er rum.

"Wieso verwundert? Schaue ich so sehr nach Stadttussi aus?"

"Nein, das ist es nicht. Man fragt sich nur, warum Sie in dieses Haus gezogen sind."

Verwirrt schaue ich ihn an. Als er das Fragezeichen erahnen kann, welches sich in meinem Kopf breit macht, erstarrt er kurz.

"Oh. Sie wissen nichts über die Geschichten."

Nun bin ich total verunsichert. 


"Ähm, nein. Was denn für Geschichten? "

Rasch schwenkt er das Handgelenk und schaut auf seine Uhr.

"Ich habe gleich noch einen Termin und muss weiter, aber wenn Sie möchten, kommen Sie doch heute Nachmittag auf einen Kaffee vorbei."

Als ich nicke, nennt er mir seine Adresse und sprintet auch sogleich wieder los. Eigentlich sah er recht gut aus, denke ich. Da er etwa einen Kopf größer war als ich, muss er mindestens 1,85m groß sein. Sein Haar ist mittelblond und von joggen ziemlich zerzaust gewesen. Er wirkte sehr sportlich, aber war kein Muskelprotz. Gut gelaunt beende ich gegen elf Uhr die Runde mit Lucky und kehre Heim. Jetzt bei Tageslicht schaue ich mir das Loch im Zaun etwas genauer an.


Irgendjemand muss es dort hinein geschnitten haben, aber so wie es aussieht, schon vor einiger Zeit. Es sind an den Bruchstellen schon Ansätze von Rost zu sehen. Dass mir das bisher noch nicht aufgefallen ist. Das werde ich so schnell es geht reparieren müssen. 

Da heute Samstag ist und ich weiter nichts zu tun habe, werde ich es mir auf meiner Couch gemütlich machen und noch ein wenig fern sehen.


Doch als ich meine Haustür öffne, schlägt mir ein bestialischer Geruch entgegen. 

"Bah, was ist denn hier gestorben?", würge ich halb hervor.

Nur durch den Mund atmend renne ich von Fenster zu Fenster und reiße sie komplett auf. Hoffentlich zieht der Geruch schnell wieder raus. Anstatt es mir auf dem Sofa wie geplant bequem zu machen, begebe ich mich auf die Suche nach der Quelle des Gestankes. Im Eingangsbereich ist alles sauber. Es muss aus der Küche kommen.


Vielleicht habe ich etwas weggeworfen und vergessen, den Deckel vom Mülleimer zu schließen. Ratlos schaue ich den kleinen, grauen Kasten an. Der Deckel ist verschlossen und selbst als ich ihn öffne, riecht er nur minimal. Ich beginne alle Möbel, welche ich aus eigener Kraft verrücken kann, bei Seite zu schieben. Nicht dass sich eine Maus oder Ratte zum Sterben irgendwo verkrochen hat. Schon alleine bei dem Gedanken daran, schüttelt es mich vor Ekel. Die Suche nimmt mich so sehr ein, dass es bereits fünfzehn Uhr ist, als ich auch die letzte Ecke kontrolliert habe. Mittlerweile ist der Geruch verflogen und ich bin immernoch nicht schlauer.


"Ach, ich muss gleich schon los.", stöhne ich bei einem Blick auf die Uhr.

"Komm Lucky!", rufe ich, als ich nach seiner Leine greife.

Ich Klinke den Karabiner in die Öse seines Halsbandes und öffne die Tür.

Sofort stellen sich die Haare meines selbsternannten Kampfhundes auf und er fletscht die Zähne. Das Knurren, welches von ihm ertönt, klingt verängstigt und bedrohlich zugleich. Starr blickt er direkt geradeaus. Nichts. Er tut gerade so, als würde mich jemand bedrohen, doch niemand ist weit und breit zu sehen. Ob ihm hier ein Geruch nicht zusagt? Aber wie soll ich das herausfinden, ohne so eine Supernase.


"Ist schon gut. Da ist doch nichts. Komm.", versuche ich auf ihn ein zu reden. Jedoch denkt mein Hund nicht daran, sich auch nur einen Zentimeter vom Fleck zu bewegen. Nach einigen Versuchen bin ich regelrecht genervt von seinem Verhalten. 

"Aus! Jetzt ist aber genug! Da ist nichts."

Der Nachdruck in meiner Stimme scheint ihn endlich zum Gehorsam zu bewegen. 

Ich verstehe seine Gemütswandlungen einfach nicht. Bevor wir hier her gezogen sind, war er der liebste Hund, der nie geknurrt hat. Doch darüber kann ich mir später Gedanken machen. Jetzt gerade will ich nichts mehr, als wissen, wieso die Leute so seltsam zu mir sind. Auf dem Weg zu dem Jogger mache ich mir meine Gedanken, was denn mit dem Haus sein soll.

"Nachher sind wir Teil eines schlechten Horrorfilms.", witzle ich zu Lucky. 


An der genannten Andresse angekommen, schaue ich auf das Klingeschild. Benter. Ok, zumindest kenne ich nun den Nachnamen. Mein Finger berührt die Schelle und keine Minute später, wird mir Einlass gewährt.

"Hallo, Frau Mechten.", begrüßt er mich. 

Ich blicke ihn verdutzt an. Woher kennt er meinen Namen? Aber es scheint logisch zu sein, denn wahrscheinlich bin ich der neuste Dorfklatsch.

"Hallo, Sie können mich Sophia nennen.", sage ich, während ich ihm meine Hand entgegen strecke. 

"Freut mich Sophia, ich bin Stefan."


Er geleitet mich in eine schick eingerichtete Wohnküche. Damit habe ich nicht gerechnet. In der Stadt wäre es normal gewesen, doch alles was ländlich ist, habe ich mir immer altmodisch vorgestellt. Hier schaut es allerdings sehr modern aus. Wahrscheinlich ist er auch ein ehemaliger Städtler. Als Stefan meinen umherschweifenden Blick bemerkt, spricht er mich amüsiert an.

" Nicht mit so viel Moderne gerechnet?"

"Nein, ganz und gar nicht. Es ist wirklich sehr schön eingerichtet. "


"Danke. Wie trinkst du deinen Kaffee? ", möchte er wissen.

"Schwarz, mit etwas Zucker bitte."

Ich setze mich auf einen der Schwingstühle, welche um einen ovalen Glastisch stehen. Lucky legt sich neben meine Füße auf den Boden und schlabbert an seinen Pfoten.

"Also, was ist mit mir und dem Haus nicht in Ordnung?", versuche ich direkt auf den Punkt zu kommen.


Sofort bemerke ich, dass Stefan sich unwohl fühlt.

"Ja, das Haus. Es wundert mich, dass du noch nichts darüber gehört hast. Ich weiß auch nicht, wie ich dir das schonend erklären soll..."


"Bitte nicht drum herum reden. So schlimm wird es schon nicht sein.", winke ich ab.

Ein leiser Pfiff ertönt.

"Schlimm ist relativ. Nun gut. Da Haus soll schon seit Anbeginn des Dorfes hier stehen. Laut den Legenden soll es ein recht wohlhabender Dörfler errichtet haben. Er und seine Frau hatten viele Kinder. Man erzählt sich, dass die Frau diese jedoch nicht freiwillig bekommen haben soll. All die Kinder waren Mädchen, doch der Hausherr wollte einen männlichen Nachfahren, der den Namen weitertragen würde. Daher musste sie etliche Geburten über sich ergehen lassen.


Als auch das neunte Kind ein Mädchen wurde und seine Frau sehr geschwächt von der Geburt war, dass die Aussichten auf eine weitere Schwangerschaft fatal gewesen wären, soll er seine Frau und das Neugeborene in der Nacht der Geburt, im Schlaf erstickt haben. All die anderen Mädchen, sollen nach und nach innerhalb eines Jahres verschwunden sein. Er suchte sich ein neues Weib und dort war es fast das gleiche Spiel, bis sie einen Jungen gebahr. Die Mädchen verschwanden in den Jahren danach, bis auf eines spurlos. Als der Sohn dann im Kindesalter einer Lungenentzündung erlag, soll er seine Familie umgebracht und versucht haben, das Haus abzubrennen. Seither sind dort alle weiblichen Personen auf seltsame Weise gestorben, verschwunden oder verrückt geworden. Die letzte Hausbesitzerin lebt noch heute in einem Sanatorium."


Puh, das muss ich erst einmal sacken lassen und weiß nicht, was ich dazu sagen soll.

Ich nippe an meinem Kaffee und versuche meine Gedanken zu ordnen. 

"Das ist eine schreckliche Geschichte, aber das mit den Frauen halte ich doch nur für einen Zufall. Vielleicht haben sie um die Geschichte gewusst und sich so in etwas hinein gesteigert. Ich muss sagen, ich wohne schon ein paar Wochen dort und es ist alles in Ordnung."

Dass ich bereits mit einem Messer durch mein Haus gewandert bin, erwähne ich lieber nicht. 


"Ich weiß nicht, ich wäre an deiner Stelle vorsichtig. Vielleicht solltest du dir das noch einmal überlegen, dort zu leben. Hier gibt es viele andere tolle Häuser mit wundervollen Grundstücken.", versucht Stefan auf mich ein zu reden.

"Nein. Ich liebe das Haus. Du kannst ja gerne mal zu mir kommen und dich selbst davon überzeugen, dass es ein ganz normales Gebäude ist."


Wir plaudern noch eine Weile über alles Mögliche. Er ist ein sehr angenehmer Gesprächspartner und es kommt nicht einmal zu peinlichem Schweigen. Seine Art ist sehr offenherzig und warm, so dass ich das Gefühl habe, wir würden uns schon ewig kennen. 

Als mein Blick zum Fenster schweift, bemerke ich erst,  dass wir es schon sehr spät haben. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es schon fast zwanzig Uhr ist. 

"Mein Gott, es ist schon so spät. Ich mache mich mal lieber auf den Heimweg. Vielen Dank, für den netten Nachmittag."


"Soll ich euch eben nach Hause fahren?", fragt Stefan mich und nickt gleichzeitig in die Richtung von Lucky. 

"Das ist sehr lieb, aber mein Hund muss so oder so noch seine Abendrunde machen.", lehne ich freundlich ab.

"In Ordnung. Aber lass mich dir meine Telefonnummer aufschreiben. Wenn etwas sein sollte, dann zögere bitte nicht, mich anzurufen. Auch nicht, wenn es Nachts ist."


Ich habe den leisen Verdacht, dass meine Wangen rot anlaufen, denn mir wird plötzlich ganz heiß im Gesicht.

"Dankeschön, das werde ich machen." 

Gemeinsam mit Lucky trete ich den Weg nach Hause an. Der Wind weht mir eisig um die Ohren, so dass ich meinen Schritt beschleunige. Gleich mit einer Tasse heißen Kakao, schön auf die Couch und einen Film schauen. Gedanklich krame ich in meinem DVD-Schrank und suche mir zwei Filme aus.


Ich mache mir meinen Kakao und kuschel mich unter eine Decke auf das Sofa. Lucky hält sich immer noch für einen Schoßhund, springt mit hinauf und rollt sich auf meinen Beinen zusammen. Ich habe mich für eine etwas ältere Komödie aus den 90ern entschieden. Zwar ist der Film sehr lustig, doch ich merke, wie meine Augenlider immer schwerer werden, bis alles um mich herum schwarz wird.


Ein grellender Schrei reißt mich mitten in der Nacht aus dem Schlaf. Orientierungslos und panisch schaue ich mich um. Ich sehe das Startbild der DVD und muss mich erst sammeln. Das habe ich bestimmt geträumt. Doch als mein Blick auf Lucky fällt, werde ich Kreide bleich. Er steht wie erstarrt auf meinen Beinen und fletscht lautlos die Zähne. Man kann sehen, wie sehr sein Körper angespannt und bereit zum Sprung ist.


 Mein Puls schießt in die Höhe und meine Atmung gleicht eher dem Hecheln nach einem Wettlauf. Wirr schaue ich mich im Raum um. Es muss doch etwas hier sein. Er würde nie so ein Verhalten an den Tag legen, wenn alles in Ordnung wäre. Verängstigt drücke ich mich weiter zurück in das Polster. Was soll ich jetzt machen? Weglaufen?  Ich weiß jedoch nicht wovor oder wohin. Mit einem Mal höre ich einen ohrenbetäubenden Lärm, welcher aus der oberen Etage zu kommen scheint. Ich will aufspringen, doch mein Körper ist wie gelähmt und regt sich nicht. 


Er gehorcht den Impulsen meines Gehirns einfach nicht mehr. Lucky springt auf mir herum und kläfft wie ein irrer. Endlich, sein Getrampel löst meine Schockstarre.

Hastig greife ich nach meinem Handy, das neben mir auf dem Sofa liegt. Mit zitternden Fingern tippe ich auf das Display und suche die Nummer von Stefan raus.

Es tutet und ich flehe innerlich, dass er ran geht.

Am anderen Ende ertönt eine verschlafene Stimme.

"Sophia, ist alles okay?"

Man kann die Besorgnis direkt spüren. 


Mir laufen Tränen über die Wangen und ich beginne unweigerlich zu schluchzen.

"Nein. B-bitte ko-komm schnell. Hier stimmt etwas n-nicht. Jemand ist ...", weiter komme ich nicht, denn die Türen meiner Schränke schlagen scheppernd auf und zu. Jegliche Deko fliegt aus den Regalen und von der Fensterbsnk. Ich bin nur noch dazu in Stande vor Panik zu schreien, während mein Lucky versucht mich vor dem Unbekannten zu beschützen.


Ich weiß nicht, wie lange dieses Horroeszenario anhält. Für mich sind es Stunden,  bis mit einem lauten Krachen meine Haustür auffliegt und der Spuk augenblicklich endet. Zusammengekauert, wie ein Häufchen Elend, sitze ich mit Lucky da. Er versucht mich zu beschützen und ich klammere mich in seinem Fell fest, damit ihn mir ja niemand entreißen kann.

"Sophia!", vernehme ich Stefans Rufe.

Ruckartig wende ich mich, mit tränenverschleierten Augen, ihm zu. Unfähig etwas zu sagen oder selbstständig zu reagieren, zieht er mich auf meine Beine, packt Lucky am Halsband und schleift uns förmlich hinter sich her, zu seinem Auto.


"Ihr kommt mit und du wirst dieses Haus nie wieder betreten."

In den folgenden Tagen habe ich mich, Dank Stefans Hilfe, schnell von dem Schock erholt. Er und ein Bekannter haben meine persönlichen Gegenstände aus dem Haus geholt. Eigentlich sollte ich das Haus verkaufen, doch es missfällt mir, dass dieser Spuk noch mal jemanden trifft. Daher werde ich es einfach behalten und vor sich hin gammeln lassen, bis es abbruchreif ist. Ich selber bin eigentlich auf der Suche, nach einer neuen Bleibe, jedoch scheint sich etwas zwischen Stefan und mir zu entwickeln.


Wer weiß, vielleicht war das alles ja kein wirklicher Spuk, sondern einfach nur das Schicksal, welches zwei Menschen zusammen führen wollte. Allerdings werde ich dennoch keinen Fuß mehr in das Haus setzen, um das heraus zu finden. 

Ende