Vertippt - ungeahnte Folgen


(Liebe/Erotik)

 

Wo die Liebe hinfällt, wächst kein Gras mehr. Das wussten schon unsere Großmütter. Soll man sich dem Schicksal ergeben oder davor fliehen, wenn alles auf einen hereinprescht? Diese Entscheidung muss auch Ella für sich treffen. Es war nur ein kleiner Vertipper ihrerseits und dann ...

 

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Kapitel 1

 

 Das Wochenende war sehr hart und als mein Wecker heute Früh um fünf Uhr schellt bin ich wie gerädert. Mein Mund fühlt sich staubtrocken an, als hätte ich seit einer Ewigkeit nichts mehr getrunken. Mit noch halb geschlossenen Augen schleppe ich mich träge aus meinem Bett. Das kalte Laminat unter meinen Sohlen lässt mir einen Schauer über den gesamten Körper laufen. Am liebsten würde ich noch ein paar Stunden hier liegen bleiben. Einfach nur da liegen und mich nicht bewegen. Auf meiner weichen Matratze, unter dem wohlig warmen Oberbett.

 

Mein Schädel dröhnt so sehr. Bei jedem Schritt habe ich in meinen Füßen das Gefühl, als würde ich auf Watte gehen. Immer wieder rüge ich mich selbst. Ich hätte nicht so viel trinken sollen. Irgendwie vergesse ich das jedes Mal aufs Neue. So langsam werde ich tatsächlich mit meinen achtundzwanzig Jahren zu alt dafür. Aber die Stimmung war einfach genial und ich habe mich mit meinen Freunden dazu hinreißen lassen.

 

Zu guter Letzt habe ich mich mit meiner besten Freundin gestritten. Ich weiß nicht einmal mehr genau was ich gemacht habe. Das Einzige woran ich mich dunkel erinnern kann ist, dass sie auf einmal total wütend auf mich war und mich zur Sau gemacht hat.

 

»Das war ja wieder typisch. Immer wieder das Gleiche!«, motzte sie mich an.

 

Unentwegt habe ich ihr Nachrichten geschickt, um herauszufinden, was ich so Schlimmes getan habe. Doch da kam absolut nichts zurück. Gelesen hat sie meine Texte. Kim wird sich aber in ein paar Tagen wieder beruhigt haben. So ist es immer bei uns. Wir streiten und vertragen uns wieder. Das geht schon seit der fünften Klasse so.

 

Blindlinks hole ich ein paar Klamotten aus meinem Schrank und watschle schlaftrunken in mein viel zu kleines Badezimmer. Damals, als ich die Wohnung angemietet habe, war es mir egal, dass es so beengt ist. In dem Moment war ich einfach nur froh überhaupt eine Wohnung zu bekommen. Nun stört es mich sehr.

 

Wenn ich auf dem Klo sitze, kann ich mir ganz unproblematisch am Waschbecken die Zähne putzen oder zur anderen Seite meine Füße in der Dusche waschen. Es mag zwar sehr praktisch sein, doch ich hätte es gerne ein wenig geräumiger. Zumindest so, dass man sich vernünftig drehen und wenden kann und vielleicht ein bisschen Stauraum hat.

 

Widerwillig mache ich mich für die Arbeit fertig. Meine Haare stehen in alle Richtungen ab und frustriert versuche ich den braunen Haufen irgendwie zu bändigen. Heute muss es ein geflochtener Zopf tun. Schnell verwebe ich drei dickere Strähnen miteinander und lasse den Zopf über meine rechte Schulter hängen. Bald muss ich meine Haare wieder etwas nachschneiden lassen. Sie reichen mir geflochten schon fast bis zum Bauchnabel.

 

Weil ich in meinem eigentlichen Beruf als Bürokauffrau keine Anstellung bekommen habe, musste ich notgedrungen etwas anderes finden. Nun arbeite ich in einer Wäscherei. An sich ist die Arbeit in Ordnung und könnte tatsächlich sehr viel Spaß machen, aber bei uns herrscht Mobbing vom Feinsten. Jeder versucht jeden schlecht zu machen, damit er selber mehr Stunden oder eine bessere Position bekommt. Der Chef selbst unternimmt nichts dagegen. Ihm ist es schlicht egal.

 

Zu Beginn habe ich noch das Gespräch gesucht, doch da ich immer zurückgewiesen wurde, ertrage ich die Tage einfach nur. Es wird schon noch der richtige Job kommen. Vielleicht ist in zwei oder drei Monaten etwas Passendes für mich frei. Bald haben die aktuellen Azubis ausgelernt und machen Platz, weil sie nicht übernommen werden. Solange ist es dennoch gutes Geld, welches ich dort verdiene. Klar, es ist weniger als wenn ich in einem Büro arbeiten würde, aber es reicht aus.

 

Als ich aus der Tür trete, schlägt mir ein eisiger Wind in mein Gesicht und beschert mir eine Gänsehaut, welche mich zum frösteln bringt. Es ist viel zu kalt für einen Maimorgen. Oder bin ich noch zu sehr von der Party angeschlagen?

 

Meinen Kaffee werde ich unterwegs trinken, ich komme sonst nicht pünktlich um sechs Uhr an. Noch immer müde und kraftlos wanke ich zu meiner kleinen, grünen Knutschkugel. Die Farbe ist nicht ganz so der Hit, aber ich liebe mein Auto. Bisher war es immer sehr verlässlich. Am besten wird es sein, wenn ich die Fenster komplett öffne und mir den frischen Morgenwind um die Nase wehen lasse. So kann ich Glück haben putzmunter bei der Wäscherei anzukommen. Die Musik drehe ich etwas lauter und singe schallend einen meiner Lieblingssongs mit.

 

Ab und an bekomme ich verwirrte Blicke von Passanten und anderen Autofahrern hinterhergeworfen, welche zu dieser frühen Stunde schon unterwegs sind. Gut, ich kann sie verstehen. Singen kann ich nicht wirklich, aber es gehört für mich morgens einfach mit dazu. Meine Nerven werden gleich eh nur wieder strapaziert, da kann ich schon vorsorglich dem Frust ein wenig vorbeugen. Meine eigene kleine Entspannungstherapie.

 

Kurz bevor ich das Gebäude betrete, werfe ich noch einen Blick auf mein Handy. Nichts. Keine Antwort von Kim. Schnell werde ich ihr noch etwas schreiben, denn diese Funkstille lässt mir keine Ruhe.

 


Bitte lass uns nachher noch einmal

 

reden. Ich würde gerne wissen, was

 

ich verbrochen habe.

 


Ich gehe hinein und sofort fliegt mir der Duft von Waschmittel, heißem Wasser und Dampf entgegen. Kaum dass sich die Türen der Wäscherei hinter mir schließen, bekomme ich auch schon das Höchste an Gefühlen entgegengeprescht.

 

»Du bist ja immer noch hier!«, feixt eine der Angestellten herablassend.

 

Ich kenne noch nicht mal ihren Namen.

 

»Wo sollte ich denn sonst sein Frau, ähm… wie war doch gleich Ihr Name?«, entgegne ich frech grinsend und gehe dann einfach summend an ihr vorbei.

 

Augen zu und durch, das schaffst du schon. Es ist nur ein Tag wie jeder andere auch. Der Tag verläuft mit unzähligen Sticheleien und heute haben wir sogar eine Neue. Die junge Frau tut mir unendlich leid. Sie wird von den anderen schon fast in der Luft zerrissen. Egal was sie macht, es ist falsch. Ich beobachte das Spielchen eine Weile und schnappe mir die Neue, als es zur Pause geht.

 

»Komm mit«, sage ich und versuche sie aus der Schusslinie zu holen.

 

»Nein, was ist das süß. Pat und Patachon haben sich gefunden«, brüllt eine der Tussis aus dem Hintergrund und bekommt sich nicht mehr ein vor Lachen.

 

»Hi, ich bin Ella. Hör einfach nicht hin«, rate ich ihr und werfe den anderen einen verachtenden Blick zu.

 

Verschüchtert antwortet sie mir: »Ich, ich bin Lea.«

 

Gemeinsam gehen wir auf den Innenhof, um dort zu frühstücken und uns ein wenig zu unterhalten.

 

»Wie bist du hier gelandet?«, möchte ich von ihr wissen, denn sie ist noch sehr jung.

 

»Ich habe keine Ausbildungsstelle bekommen, daher musste ich übergangsweise einen Job in dieser Firma annehmen. So halte ich mich schon seit dem letzten Jahr über Wasser. Diese Woche wurde ich hier her versetzt, weil ihr einen Mangel an Personal habt. Aber es ist grauenvoll. Wie hältst du das aus? Bei uns ist alles sehr harmonisch und die Mädels arbeiten gut zusammen. Es macht dort immer sehr viel Spaß.«

 

Ihre Stimme klingt, als würde sie jeden Moment in Tränen ausbrechen.

 

»Dafür gibt es leider keine Anleitung. Ich überstehe es einfach und versuche bestmöglich weg zu hören. So schlimm wie bei dir, war es zu Beginn auch für mich. Doch nach ein paar Wochen hat es sich gelegt. Ich war schon kurz davor zu gehen, aber ich muss da durch, so lange ich es ertragen kann«, entgegne ich schulterzuckend.

 

Wir plaudern noch eine ganze Zeit miteinander. Kurz bevor es wieder rein geht, zünde ich mir eine Zigarette an. Eigentlich habe ich damit aufgehört, aber um die Nerven zu beruhigen brauche ich das ab und zu noch ein wenig. Zumindest in der Pause und eine nach Feierabend.

 

Als ein piepsendes Signal ertönt, atme ich auf. Endlich haben wir vierzehn Uhr. Mit meinem Unterarm wische ich mir erleichtert über die Stirn. Man kann ja sagen was man will, die Arbeitszeiten sind genial. So schnell es geht verlasse ich diesen trostlosen, von Hinterhältigkeit durchtränkten Ort und mache mich auf den Heimweg. Ich habe Glück. Gerade als ich ankomme wird ein Päckchen für mich geliefert. Endlich. Mein neues Handy ist da.

 

Ich freue mich wie ein kleines Kind und kann es kaum erwarten, es auszupacken. Zügig lege ich die neue Sim-Karte ein und tippe hastig die Kontakte von meinem alten Gerät in das neue Telefonbuch, denn irgendwie klappt das mit der Datenübertragung nicht. Wahrscheinlich bin ich so aufgeregt, dass ich diesen Menüpunkt immer wieder überlese. In meinem Bauch kribbelt es vor Freude.

 

Alles schaue ich mir ganz genau an. Einige Veränderungen gibt es schon zu den Vorgängern. Da ich mir nur alle drei Jahre ein neues Handy kaufe, überspringe ich jedes Mal zwei Generationen. Es ist schon faszinierend wie schnell die Technik voranschreitet. Zum Glück sind die meisten Apps in meinem Account gespeichert, so geht das mit dem Installieren recht fix und alles läuft im Hintergrund ab. Meinen Freunden sende ich sofort eine Nachricht über die neue Telefonnummer.

 

 

 

Ich:

 

Hi, das ist ab heute meine neue

 

Nummer, Ella

 

 

 

Von fast allen bekomme ich direkt die Antwort in Form eines Ok oder Smiley. Nur Kim reagiert immer noch nicht. Ich verstehe das nicht. Was habe ich denn so Schlimmes getan? Ich sollte jemand anderen fragen, was passiert ist. Vielleicht Susa oder Kai. Martin könnte auch Bescheid wissen.

 

 

 

 

 

Ich:

 

Hey Susa. Sag mal, weißt du was auf

 

der Party gewesen ist? Kim ist sauer

 

auf mich, aber ich weiß nicht warum.

 

 

 

Als Antwort bekomme ich nur lachende Smileys geschickt. Doch einige Minuten später erreicht mich ein Foto.

 

Nein! Jetzt weiß ich, was ich verbrochen habe. Von meinem Herzen fällt ein riesiger Stein ab und lässt mich aufatmen. Ich muss aus voller Kehle lachen. Eigentlich habe ich nicht wirklich etwas getan. Kim ist in einen Typen verknallt, doch an diesem Abend hat er mich angebaggert. Sie ist sauer, weil ich ihm zugehört habe. Aber sie weiß doch, dass ich ihn absolut nicht gut finde. Lachend schüttle ich meinen Kopf.

 

 

 

Ich:

 

Ist das wegen deinem komischen

 

Futzi, weil ich ihm zugehört habe?

 

Du weißt doch, dass ich ihn nicht

 

wirklich mag. Ich habe mir lediglich

 

sein Gesülze angehört. Du müsstest

 

sauer auf ihn und nicht auf mich

 

sein. Ich war betrunken und in Party-

 

stimmung, da höre ich mir doch

 

immer das Gelaber anderer an. Ich

 

will wirklich nichts von ihm. Hab

 

doch mit Basti selbst genug Drama.

 

 

 

Mein Handy lege ich in der Küche auf die Arbeitsfläche, während ich mir schnell ein paar Nudeln koche. Im Vergleich zu meinem winzigen Badezimmer ist meine Küche riesig. Sie hat knapp fünfzehn Quadratmeter. Es ist so viel Platz, dass ich sie in L-Form aufgebaut habe und noch ein großer Esstisch hinein Passt. Die Fronten sind rot und hochglänzend, die Arbeitsplatte habe ich in anthrazit ausgewählt.

 

Was haben meine Freunde und ich hier nicht schon für Kochabende verbracht. Ich muss schmunzeln, als mir in den Sinn kommt, wie Martin und Kai versucht haben Gourmetköche zu spielen, wobei sie davon absolut keine Ahnung haben und es nur selbstgemachte Pizza gab.

 

»Möchte Madame noch etwas von unserem appetitlichen Stück Brot mit Belag?«, kommen mir Martins Worte wieder ins Gedächtnis.

 

Plötzlich piept mein Handy. Lass es Kim sein. In meinem Bauch kribbelt es. Und tatsächlich, eine Nachricht von ihr.

 

 

 

Kim:

 

Ok.

 

 

 

Ok?! Nur ein OK? Nun gut, besser als nichts. Sie wird sich bestimmt beruhigen und bald wieder vernünftig antworten, schließlich habe ich nichts verbrochen. Ich erzähle ihr einfach wie gewohnt alles, dann steigt sie schon mit ein, wenn sie nicht mehr mit ihrer Meinung an sich halten kann.

 

So ist es sonst auch. Wenn einer sauer auf den anderen ist, textet der andere den Muffel so lange zu, bis etwas erwidert wird. Rasch schlüpfe ich in bequeme Sachen, bevor ich es mir auf dem Sofa mit meinem Essen und dem Hady bequem mache. Noch während ich in den sozialen Netzwerken unterwegs bin, trudelt eine Nachricht ein.

 

 

 

Basti:

 

Na Süße, alles klar? Gleich ein

 

Stündchen Zeit?

 

 

 

Nach dem Wochenende kann der das voll vergessen. Wir sind zwar nicht wirklich zusammen, doch es war nicht sonderlich prickelnd ihn mit so einer Dahergelaufenen vor meinen Augen rummachen zu sehen.

 

 

 

Ich:

 

Ne, das kannst du dir klemmen! Bin

 

doch kein Notnagel.

 

 

 

Der regt mich einfach nur noch auf. Ich denke nun sollte ich ihn gänzlich in die Wüste schicken. So tollen Sex kann es nicht geben, dass ich mir das immer wieder antun muss. Frustriert schicke ich Kim eine Sprachnachricht.

 

»Basti hat sie echt nicht mehr alle. Erst mit der Ollen eine halbe Peepshow vor mir in der Disco abziehen und dann für ein Schäferstündchen vorbei kommen wollen. Ich ziehe echt nur Volldeppen an. Immer wieder der gleiche Mist!«

 

Diesmal bekomme ich doch tatsächlich eine Antwort. Kurz und knapp, aber was soll’s.

 

 

 

Kim:

 

Der ändert sich nie, du verdienst etwas

 

Besseres.

 

 

 

Die restliche Woche zieht sich wie Kaugummi. Ich bin heilfroh, dass heute bereits Freitag ist. Nach meiner Schicht werde ich mich sofort hinlegen, um mich für den Abend ein wenig auszuruhen. Gleich geht es ab auf die Piste. Heute soll es nach langer Zeit mal wieder der Nobelschuppen bei uns werden, das Cool Nights. Alle zwei Monate machen wir einen Abstecher dorthin. Die Getränke sind zwar etwas teurer, aber die Location ist einfach der Hammer. Ich hoffe nur, es endet nicht wieder in Kopfschmerzen.

Ich:

 

Hey Kim, wir sind heute Abend im

 

Cool Nights. Kommst du auch?

 

 

 

Kim:

 

Mal sehen.

 

 

 

Das ist nicht die Antwort, welche ich mir erhofft habe. Aber ich hake nicht nach und lasse mich einfach überraschen. Nach meinem kleinen Nickerchen brezle ich mich gegen neunzehn Uhr auf. Ich lasse mir mehr Zeit als gewöhnlich. Die halbe Funkstille macht mir sehr zu schaffen, dennoch spüre ich in mir die Vorfreude auf den Abend aufsteigen. Keine zwei Stunden später schellt es an meiner Tür. Das müssen die anderen sein. Ich öffne ihnen und als Begrüßung werden mir eine Flasche Schnaps und eine Blubberbrause entgegen gestreckt.

 

»Party!«, kreischt Martin und ich muss lachen.

 

Es ist so lustig wie er sein Gesicht dabei verzieht und schon ohne jeglicher Musik in seinem Takt tanzt. Rhythmus hat er, das muss man ihm lassen. Auch Kai und Susa drängen sich in meine Wohnung. Die drei sind mächtig aufgetakelt heute.

 

Beide Männer in schicken, schwarzen Stoffhosen und grauen Hemden. Susa trägt ein silberfarbenes Cocktailkleid. Das ist gemein. Sie weiß wie ungern ich Kleider anziehe. Irgendwie kann ich meine Beine absolut nicht leiden und verdecke sie am liebsten mit Hosen in allen Formen und Farben. Für Kleider habe ich einfach ein paar Kilos zu viel auf den Rippen. Ich bin halt nicht die geborene Gazelle.

 

Meine Freunde rufen mich zu sich, um die erste Runde an diesem Abend einzuläuten und drücken mir ein gut gefülltes Pinnchen in die Hand. Gut gefüllt bedeutet in dem Fall, dass es bereits übergelaufen ist. Als ich daran rieche, rümpfe ich automatisch meine Nase. Tequila.

 

»Und wo sind die Zitronen, Limetten und Salz?«, murre ich.

 

»Ausverkauft!«, antwortet Susa frech und streckt die Zunge heraus.

 

Als mir der Alkohol die Kehle hinter rinnt, muss ich mich unweigerlich schütteln. Es brennt so dermaßen, ich brauche sofort einen Schluck Wasser zum Nachtrinken. Als meine Freunde mich das erste Mal an diesem Abend wirklich betrachten und sehen, dass ich noch meine Schlabbersachen an habe, stimmen sie im Chor ihren Kleidungswunsch an.

 

»Kleid, Kleid, Kleid!«

 

Genervt werfe ich den Kopf in den Nacken, denn all mein Widerstand hilft nicht. Susa kramt bereits in meinem Kleiderschrank, als ich mein Schlafzimmer betrete. Sie zieht ein schwarzes und ein rotes Kleid hervor und lässt mir wenigstens die Wahl, mich zwischen diesen beiden zu entscheiden.

 

Ich wähle das kleine Schwarze. Das kaschiert zumindest mein Bäuchlein, weil der Stoff recht fest an dieser Stelle ist und einfach alles zusammen presst. Es reicht fast bis zu meinen Knien und fällt luftig in Falten herab. Der Ausschnitt ist vorne normal, doch hinten hat es fast den gesamten Rücken frei. Meine Haare fallen in leichten Wellen bis zu meiner Taille herab.

 

Ich liebe es sie offen zu lassen, auch wenn sie schon arg lang sind. Mein Makeup ist eher sommertauglich. Nur etwas Mascara und Lippenstift trage ich auf. Nachdem wir noch ein wenig vorgeglüht haben und unser Taxi endlich eintrudelt, verlassen wir froh gestimmt meine Wohnung.

 

 

 

Ich:

 

Sind jetzt da, komm doch bitte. Wie

 

soll ich den Abend ohne meine Kim

 

überleben?

 

 

 

Schreibe ich noch schnell. Die anderen meinen zwar, sie würde heute definitiv nicht kommen, aber vielleicht ändert sie dennoch ihre Meinung. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zu Letzt.

 

 

 

 

 

 

Kapitel 2

 

 

 

Die Stimmung ist an diesem Abend wieder wundervoll und ausgelassen. Die Atmosphäre in diesem Club ist der absolute Wahnsinn. Als unsere erste Bestellung, Wodka Lemon, unsere Körper auf Touren bringt, schleift Martin mich auf die Tanzfläche. Er kann einfach nicht still halten und ist einer der tanzwütigsten Menschen, die ich kenne. Mich eingeschlossen.

 

Ich beobachte wie die ganzen Frauen um uns herum ihn geifernd ansehen. Ich muss lachen. Da fehlt wirklich nicht mehr viel und der Sabber fließt in Strömen. Aber er sieht auch unverschämt gut aus. Martin hat einen kurzen Haarschnitt und ein spitzbübisches, dennoch markantes Gesicht.

 

Doch was will man von einem Mann auch erwarten, der nebenbei Model ist. Er zieht einfach die Frauenherzen an, wie das Licht die Motten. Fest umschließt er meine Hand mit seiner und legt seine andere auf meiner Taille ab. Als der Beat schneller wird verspüre ich nur einen leichten Druck an meiner Seite und schon wirbelt er mich im Kreis herum.

 

Es fühlt sich so toll an. Ich muss laut auflachen. Zwar kann ich nicht wirklich tanzen, doch er kann perfekt führen und ich weiß genau was er will, wenn er mir nur leicht mit seiner Hand die Richtung weist. Ein jahrelang eingespieltes Team halt.

 

Die anderen Leute machen uns automatisch Platz, was mich immer wieder verwundert. Früher hatte ich Schiss, dass ich in die anderen hinein knalle, aber es ist noch nie passiert. Nach einigen Liedern kehre ich völlig fertig an unseren Tisch zurück.

 

Mein tollkühner Tanzpartner tobt sich weiterhin auf der Tanzfläche aus. Direkt als ich gegangen bin, hat er sich eine seiner Groupies geschnappt. Es sieht zu lustig aus. Schnell mache ich ein Selfie mit Schmollmund und meinem neu gefüllten Glas. Ich schicke es Kim.

 

 

 

Ich:

 

Bin traurig… Wo bleibst du nur?

 

 

 

Doch mehr, als dass sie es liest, tut sich nicht. Ach dann halt nicht. Mein Glas scheint ein Loch zu haben, denn als ich hin schaue ist es bereits leer. Gut angeheitert, gehe ich tanzend an die Bar, um mir etwas Neues zu bestellen. Mit Mühe zwänge ich mich zwischen die Leute und warte ungeduldig darauf, dass eine der Bardamen mich beachtet. Jedoch scheine ich in dem Gedränge unter zu gehen.

 

Nach etwa zehn Minuten werde ich so langsam ungeduldig. Immer wieder werde ich von links angerempelt, was hier eigentlich sonst nicht der Fall ist. Doch heute ist es mehr als nur voll. Anscheinend hatten alle die grandiose Idee heute hier aufzuschlagen. Bei dem nächsten schwungvollen Schubser, werde ich nach hinten rechts gedrückt und knalle voll gegen jemanden.

 

Ich drehe meinen Kopf um und werfe ihm ein zerknirschtes: »Entschuldigung«, zu.

 

Doch mein Gesicht friert ein. Wow, ist der heiß. Er ist fast einen Kopf größer als ich. Seine Gesichtszüge wirken sehr dominant und weich zugleich. Die Haare sind dunkel und sehr voll. Sie sind zurückgekämmt. Weder sind sie festgeklatscht, noch haben sie eine Rockabilly Tolle. Es ist einfach - perfekt.

 

Seine grünen Augen scheinen in der Dunkelheit regelrecht zu leuchten. Auch er trägt, wie fast alle Männer hier, eine Stoffhose und ein Hemd. Doch dieser Mann ist gänzlich in schwarz gekleidet. An seinem Handgelenk prangt eine Uhr, welche mit Sicherheit nicht ganz billig war. Er wirft mir ein seichtes Lächeln zu, als Antwort auf meine Entschuldigung.

 

Oh nein, schalte dein Gehirn wieder ein und guck weg.

 

Doch mein Körper bleibt in seiner Starre.

 

Mensch Ella, du bist gerade nicht anders, als die geifernden Weibchen, welche Martin so angestiert haben!

 

Ich gewinne wieder die Kontrolle über meinen Körper und wende mich der Bar zu. Doch ich werde einfach übergangen. Der Typ hinter mir kommt tatsächlich vor mir dran?! So langsam werde ich sauer. Ich werfe ihm einen verwunderten Blick zu, als die Bedienung mit einem komplett gefüllten Tablett auf ihn zukommt.

Er schickt sie zu unserem Tisch, doch bevor ich etwas sagen kann, ist er bereits in der Menge verschwunden. Langsam kehre ich zu unserem Tisch zurück. Noch grübelnd nehme ich eines der Gläser.